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Rituelle Körperbemalung
und sozialer Rang

In einigen Regionen der Erde haben sich die Menschen auch deshalb mit Pflanzenfarben bemalt, da durch den Geruch Insekten abgewehrt wurden. Wieder andere Farben senkten die Körpertemperatur. Auch wenn die Körperbemalungbei diesen Volksstämmen in erster Linie praktische Gründe hatte, entwickelte sich doch mit der Zeit eine eigene Kunstgattung.

Rituelle Körperbemalung und sozialer Rang
In den meisten Kulturen wurde und wird die Körperbemalung vor allem bei rituellen und religiösen Anlässen angewandt.
Bei vielen Völkern gehen die Bemalungen einher mit Heilungszeremonien. Durch bestimmte Farben und Symbole sollen nicht nur Heilkräfte in Gang gesetzt werden, sie lassen dem Patienten auch magischen Schutz zuteil werden. Schamanen wissen durch jahrhundertealte Überlieferungen um Kraft und Wirkung der Farben und beziehen sie gezielt in ihre Rituale ein. Solche Rile sind zum Beispiel Initiationsriten, Erntedankfeste, Fruchtbarkeitsrituale, Jahreszeitenwechsel und Trauungen.

Von jeher verwendete man Bemalungen und Tätowierungen aber auch dazu, Rangordnungen innerhalb eines Stammes oder einer sozialen Gruppe festzulegen. Wir kennen dieses Phänomen auch aus unserem Kulturkreis. Punker, Grufties und Rocker, die sich selbst ganz bewusst ein andersartiges Aussehen geben wollen, bemalen und tätowieren ihre Haut, um sich so ganz deutlich von ihrer Umwelt abzugrenzen.
Auch Schauspieler - egal ob beim Theater oder beim Film - wissen um die Wirkung der Körperbemalung. Schminke und Farbe verhelfen dem Künstler, in eine andere Identität zu schlüpfen und bestimmte Ausdrucksformen zu verstärken oder abzuschwächen.

 

Unserem westlichen Blick mag vieles ungewöhnlich und vielleicht auch unverständlich erscheinen. Dies hängt vor allen Dingen damit zusammen, dass wir seit vielen Generationen die Körperbemalung fast ausschließlich dazu nutzen, unsere sexuelle Attraktivität zu steigern. Die Umsätze der Kosmetikindustrie beweisen auf eindrucksvolle Art, wie stark auch heute noch an die positive Wirkung der Farben geglaubt wird.

In beinahe allen anderen Bereichen hat die westliche Kultur die Körperbemalung aus ihrem Leben verbannt. Viele Rituale, die ihren Ursprung in alten Traditionen haben, sind zu profanen Bräuchen verkommen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Freude an der Bemalung im Karneval.

Permanente und temporäre Körperbemalung
Wir können zwei wesentliche Gruppen von Körperbemalungen unterscheiden. Zum einen die permanenten, also bleibenden Malereien, zum anderen die temporären, also vergänglichen Formen, die nur eine bestimmte Zeit zu sehen sind.

Tätowierungen und Narbenornamentik sind die häufigsten Erscheinungsformen der permanenten Hautgestaltung. Vor allen Dingen auf den polynesischen Inseln hat die Kunst des Tätowierens eine weite Verbreitung gefunden. Die Narbenornamentik war dagegen besonders in Afrika verbreitet.

Temporäre Körperbemalung hat im Gegensatz zum "echten" Tattoo den Vorteil, dass man die Haut immer wieder neu schmücken kann. Die Anzahl der Techniken und Farben, mit denen sich die Haut gestalten lässt, sind unendlich groß. In den meisten Fällen werden jedoch mineralische Farbpigmente oder Farbstoffe bestimmter Pflanzen verwendet. Letztere werden auch für die jahrhundertealte Tradition der Mehndis verwendet.

Viele vergängliche Körpermalereien lassen sich mit Seife und Wasser wieder von der Haut waschen. Andere, wie etwa die Henna-Mehndis, verschwinden nach einiger Zeit von selbst wieder, da sich die oberste Schicht unserer Haut (Epidermis) ständig erneuert. Da die Farbe nicht in tiefere Hautschichten eindringt, wird sie mit den Hautschüppchen abgestoßen. Da es bis zu vier Wochen dauern kann, ehe sich die Haut voll erneuert hat, ist auch das Mehndi so lange zu sehen. Allerdings verblasst es mit der Zeit. Und da sich unsere Haut nicht gleichmäßig schuppt, erscheint das Mehndi zuletzt oft unregelmäßig. Jetzt kann man sich entscheiden, ob man das Mehndi erneuern will oder ob es völlig verblassen soll.
Copyright: Rainer Krettek, www,Hennapaste.de

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